Warum Klärschlammverbrennung?

Bis 2018 wurde der meiste Klärschlamm an die Landwirtschaft abgegeben und auf die Felder gestreut. Da jedoch außer dem wertvollen Phosphor auch Schadstoffe wie Schwermetalle, Arzneimittelrückstände und Rückstände von Körperpflegemitteln im Klärschlamm enthalten sind, ist eine landwirtschaftliche Verwertung nicht mehr erwünscht.

Wichtigster Punkt ist aber die Phosphor-Rückgewinnung. Phosphor ist ein wichtiger Bestandteil für Düngemittel und kommt in einer für die Düngemittelherstellung sofort verwendbaren Form nicht unbegrenzt vor und wird daher immer wertvoller. Deshalb verlangt der Gesetzgeber nun, dass ab 2029 der Phosphor aus dem Klärschlamm zurückgewonnen wird. Dies kann sinnvoll ohne Vorbehandlung aus dem nassen Klärschlamm geschehen (bis 70% Rückgewinnung) oder nach vorheriger Trocknung durch Verbrennung des Klärschlamms und Gewinnung des Phosphors aus der Asche (bis 90% Rückgewinnung). Für letzteres Verfahren gibt es bisher keine großtechnisch erprobte Anlage, so dass die Asche deponiert werden muss, bis der Stand der Technik es erlaubt, den Phosphor zu entziehen. Als weiteres zukunftsgerichtetes Verfahren ist die Pyrolyse zu nennen, bei diesem Verfahren wird der Klärschlamm unter Sauerstoffabschluss thermisch behandelt, als Produkt entsteht eine Klärschlamm-Kohle, die den Phosphor enthält. Diese Kohle kann unmittelbar zur Düngemittelherstellung verwandt werden. Die Pyrolyse-Anlage ist überaus günstig für die CO2-Bilanz, denn im Gegensatz zur Klärschlammverbrennung (+243 kg CO2/t TS) wird in der Klärschlamm-Kohle CO2 für Jahrhunderte gespeichert (-46kg CO2/t TS).

Hildesheim könnte bei der thermischen Behandlung des Klärschlammes mit dem Pyrolyse-Verfahren pro Jahr 2100 t CO2 einsparen!